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Ich darf sein – über Selbstannahme und die Freiheit, ich selbst zu sein

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Warum wir nicht ständig bewertet, verbessert oder verstanden werden müssen, um sein zu dürfen.

Darf ich eigentlich einfach sein?

Mit allem, was mich ausmacht? Mit meinen Stärken, Schwächen, Widersprüchen, Gefühlen, Unsicherheiten und Eigenheiten?

Darf ich sein, ohne mich erklären oder rechtfertigen zu müssen? Ohne ständig den Erwartungen anderer zu entsprechen? Ohne daran gemessen zu werden, ob mein Denken, Fühlen oder Verhalten gerade richtig oder falsch ist?

Es klingt nach einer einfachen Frage. Und doch berührt sie etwas zutiefst Menschliches: unser Bedürfnis, angenommen zu werden, ohne dafür erst bestimmte Bedingungen erfüllen zu müssen.

Viele von uns haben früh gelernt, dass es offenbar nicht reicht, einfach nur zu sein. Wir sollen freundlich sein, aber nicht zu freundlich. Selbstbewusst, aber nicht arrogant. Sensibel, aber nicht empfindlich. Stark, aber nicht unnahbar. Ehrlich, aber bitte nicht unbequem.

Und ganz gleich, wie wir uns verhalten: Irgendjemand findet es falsch.

Vielleicht beginnt die Freiheit genau dort, wo wir aufhören, uns ständig durch die Augen anderer zu betrachten.

Warum uns die Bewertungen anderer so sehr beschäftigen

Wir Menschen bewerten. Fast ununterbrochen. Wir bewerten Situationen, Verhaltensweisen, Entscheidungen und andere Menschen. Das ist zunächst weder ungewöhnlich noch grundsätzlich problematisch. Unser Gehirn versucht, die Welt einzuordnen und Orientierung zu gewinnen.

Schwierig wird es, wenn aus der Bewertung eines Verhaltens eine Bewertung des ganzen Menschen wird.

Aus „Ich verstehe deine Entscheidung nicht“ wird „Du bist unfähig“. Aus „Ich hätte anders reagiert“ wird „Du bist viel zu empfindlich“. Und aus „Das entspricht nicht meinen Vorstellungen“ wird „Mit dir stimmt etwas nicht“.

Hier verschwimmt die Grenze zwischen einer subjektiven Wahrnehmung und einer vermeintlich objektiven Wahrheit über einen Menschen.

Dabei sagen Bewertungen häufig mindestens ebenso viel über die Maßstäbe, Erfahrungen und Erwartungen der bewertenden Person aus wie über den Menschen, der bewertet wird.

Was der eine als Schwäche bezeichnet, erlebt ein anderer als Feinfühligkeit. Was für den einen distanziert wirkt, kann für den anderen eine gesunde Grenze sein. Und was jemand als Egoismus verurteilt, ist möglicherweise notwendige Selbstfürsorge.

Nicht jedes Urteil über uns ist eine Wahrheit über uns.

Und nicht jede Meinung über unsere Person verdient einen Platz in unserem Selbstbild.

Wenn fremde Bewertungen unser Selbstbild prägen

Das Belastende an Bewertungen ist oft nicht nur das Urteil selbst. Es ist die Tatsache, dass wir beginnen, es zu übernehmen.

Wer immer wieder hört, zu laut, zu still, zu emotional, zu schwierig oder nicht gut genug zu sein, kann irgendwann anfangen, genau das über sich selbst zu glauben.

Aus einer fremden Bewertung wird eine innere Überzeugung. Und irgendwann braucht es gar keinen anderen Menschen mehr, der uns kritisiert. Wir übernehmen diese Aufgabe selbst.

Wir kontrollieren unsere Gefühle, bevor wir sie richtig wahrgenommen haben. Wir hinterfragen unsere Bedürfnisse, bevor wir sie aussprechen. Wir entschuldigen uns für Dinge, für die wir uns gar nicht entschuldigen müssten.

Psychologisch betrachtet kann daraus eine Form der Selbstentfremdung entstehen. Wir orientieren uns zunehmend daran, wie wir wirken, statt daran, wie es uns tatsächlich geht.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr: „Was empfinde ich?“

Sondern: „Was darf ich empfinden, damit ich weiterhin akzeptiert werde?“

Und damit verlieren wir möglicherweise immer mehr den Kontakt zu uns selbst.

Selbstannahme: Ich darf sein, ohne perfekt zu sein

Vielleicht liegt eines der größten Missverständnisse unseres Zusammenlebens in der Annahme, ein Mensch müsse erst bestimmte Eigenschaften besitzen, um uneingeschränkte Wertschätzung zu verdienen.

Dabei ist unser menschlicher Wert keine Belohnung für gelungenes Verhalten.

Wir dürfen traurig sein, ohne undankbar zu sein. Wir dürfen wütend sein, ohne schlechte Menschen zu sein. Wir dürfen uns zurückziehen, ohne deshalb lieblos zu sein. Wir dürfen Fehler machen, ohne selbst ein Fehler zu sein.

Und wir dürfen uns verändern, ohne uns dafür rechtfertigen zu müssen, dass wir einmal anders waren.

Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten richtig oder jede Entscheidung folgenlos ist. Vielmehr geht es darum, zwischen dem Wert eines Menschen und seinem Verhalten zu unterscheiden.

Ich kann ein Verhalten kritisieren, ohne den Menschen abzuwerten. Ich kann Grenzen setzen, ohne jemanden in seinem Menschsein infrage zu stellen.

Und ich kann mich selbst grundsätzlich annehmen und gleichzeitig erkennen, dass ich in bestimmten Bereichen wachsen möchte.

Vielleicht entsteht echte Veränderung sogar eher aus einer solchen Haltung als aus ständiger Selbstabwertung.

Denn wer sich unaufhörlich bekämpft, verbraucht viel Kraft damit, gegen sich selbst zu sein.

Was der Buddhismus über Selbstannahme und das Sein lehrt

In der buddhistischen Philosophie finden sich Gedanken, die das Thema „Sein dürfen“ auf besondere Weise berühren.

Einer davon ist die Praxis der Achtsamkeit: wahrzunehmen, was gerade geschieht, ohne sofort darauf reagieren oder es bewerten zu müssen.

Ein Gefühl ist zunächst ein Gefühl. Ein Gedanke ist zunächst ein Gedanke. Und ein unangenehmer innerer Zustand ist zunächst etwas, das gerade erlebt wird.

Wenn Traurigkeit da ist, darf sie wahrgenommen werden. Wenn Angst auftaucht, müssen wir uns nicht zusätzlich dafür verurteilen, dass wir Angst haben.

Denn häufig leiden wir nicht nur an dem, was wir erleben, sondern zusätzlich daran, wie wir unser Erleben bewerten.

Wir sind traurig und finden uns dafür schwach. Wir sind erschöpft und werfen uns mangelnde Belastbarkeit vor. Wir sind verletzt und schämen uns dafür, dass uns etwas so nahegeht.

Zum ursprünglichen Schmerz kommt ein zweiter hinzu: unser Widerstand gegen das, was gerade ist.

Eine achtsame Haltung kann helfen, diesen zusätzlichen Kampf zu verringern.

Metta-Meditation: Sich selbst und anderen mit Güte begegnen

Auch das buddhistische Mitgefühl – Karuna – und die liebende Güte – Metta – bieten wertvolle Anknüpfungspunkte. Sie laden dazu ein, sich selbst und anderen mit Wohlwollen zu begegnen, ohne dabei Schwierigkeiten oder schädliches Verhalten zu leugnen.

Wer schon einmal einen meiner Meditationsworkshops besucht hat, kennt vermutlich meine ganz persönliche Lieblingsmeditation: die Metta-Meditation, die Praxis der liebenden Güte.

Sie liegt mir besonders am Herzen, weil sie uns dazu einlädt, nicht nur anderen Menschen, sondern auch uns selbst mit Freundlichkeit, Mitgefühl und einer Haltung des Annehmens zu begegnen – ohne dass wir dafür erst anders werden müssen, als wir gerade sind.

Dabei geht es nicht um Gleichgültigkeit und auch nicht darum, alles widerspruchslos hinzunehmen. Es geht darum, die Wirklichkeit zunächst anzuerkennen, bevor wir entscheiden, wie wir mit ihr umgehen möchten.

Annehmen, was ist, bedeutet nicht, alles gutzuheißen.

Dieser Unterschied ist wesentlich.

Andere Menschen sein lassen – ohne sie abzuwerten

Die Freiheit, wir selbst sein zu dürfen, hat eine zweite Seite, über die wir seltener sprechen.

Wenn ich für mich beanspruche, ohne ständige Bewertung existieren zu dürfen, bin ich auch eingeladen, anderen Menschen dieselbe Freiheit zuzugestehen.

Und genau hier wird es manchmal unbequem.

Denn es fällt uns oft leichter, für unsere eigenen Eigenheiten Verständnis einzufordern, als die Andersartigkeit anderer Menschen auszuhalten.

Wir möchten nicht verurteilt werden, beurteilen aber selbst. Wir wünschen uns Akzeptanz, reagieren jedoch mit Ablehnung, wenn jemand anders denkt, fühlt oder lebt als wir.

Beginnt eine wirklich wertschätzende Haltung deshalb mit der Bereitschaft, Unterschiede stehen lassen zu können?…

Der andere muss nicht so empfinden wie ich. Er muss meine Sichtweise nicht teilen und sein Leben nicht nach meinen Vorstellungen gestalten.

Ich darf anderer Meinung sein, ohne ihn deshalb abzuwerten. Ich darf etwas nicht verstehen, ohne es sofort verurteilen zu müssen. Und ich darf feststellen, dass ein Mensch nicht zu mir passt, ohne daraus abzuleiten, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Nicht jeder Unterschied braucht ein Urteil. Und nicht jedes Unverständnis braucht eine Abwertung.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, schädigendes Verhalten hinzunehmen. Menschen sein zu lassen heißt nicht, Grenzüberschreitungen zu tolerieren.

Bedeutet „Ich darf sein“, dass ich mich nicht verändern muss?

So befreiend dieser Gedanke ist, so wichtig ist es auch, ihn nicht zu einem Freibrief für Rücksichtslosigkeit werden zu lassen.

„Ich bin eben so“ kann Ausdruck einer gesunden Selbstannahme sein. Es kann aber auch zur Ausrede werden, um Verantwortung zu vermeiden.

Wenn ich andere verletze, kann ich mich nicht darauf zurückziehen, dass ich nun einmal so bin. Und wenn ich Grenzen missachte, wird mein Bedürfnis nach Authentizität nicht automatisch wichtiger als das Bedürfnis anderer nach Sicherheit und Respekt.

Sein dürfen bedeutet nicht, unveränderlich bleiben zu müssen. Es bedeutet auch nicht, jede Kritik abzuwehren.

Im Gegenteil: Wer seinen eigenen Wert nicht permanent verteidigen muss, kann möglicherweise offener für konstruktive Rückmeldungen werden!

Ich kann hören: „Dein Verhalten hat mich verletzt“, ohne daraus machen zu müssen: „Ich bin ein schlechter Mensch.“

Ich kann Verantwortung übernehmen, ohne mich dafür selbst zu verachten. Und ich kann mich entschuldigen, ohne meinen Wert zu verlieren.

Selbstannahme und Selbstreflexion sind keine Gegensätze. Sie können einander ergänzen.

Was wir gewinnen, wenn wir uns erlauben, einfach zu sein

Wenn wir weniger Energie darauf verwenden, einer vermeintlich richtigen Version unserer selbst zu entsprechen, kann innerer Freiraum entstehen.

Wir dürfen eigene Bedürfnisse ernst nehmen, auch wenn sie nicht allen gefallen. Wir können Beziehungen bewusster gestalten, weil wir uns nicht mehr ausschließlich über Zustimmung definieren.

Und wir können möglicherweise authentischer werden – nicht im Sinne eines ungefilterten Auslebens jeder Stimmung, sondern im Sinne einer größeren Übereinstimmung zwischen unserem inneren Erleben und unserem äußeren Handeln.

Daraus können verschiedene psychologische Vorteile entstehen:

  • Mehr Selbstwertstabilität: Unser Wertgefühl hängt weniger stark von Zustimmung oder Ablehnung ab.
  • Weniger innerer Druck: Nicht jedes Gefühl und jede Eigenheit muss korrigiert werden.
  • Gesündere Grenzen: Unsere eigenen Bedürfnisse dürfen ebenso zählen wie die anderer Menschen.
  • Mehr emotionale Offenheit: Unangenehme Gefühle müssen nicht zusätzlich beschämt werden.
  • Ehrlichere Beziehungen: Nähe muss weniger auf Anpassung und Selbstverleugnung beruhen.

Natürlich ist das kein Zustand, den wir einmal erreichen und dann für immer besitzen.

Wir bleiben soziale Wesen. Wir möchten dazugehören, gemocht und verstanden werden. Die Meinung anderer wird uns deshalb nie völlig gleichgültig sein – und das muss sie auch nicht.

Entscheidend ist, welchen Einfluss wir ihr geben.

Wie wir lernen können, weniger zu bewerten

Eine vollkommen bewertungsfreie Existenz ist vermutlich weder realistisch noch sinnvoll. Bewertungen helfen uns, Entscheidungen zu treffen, Gefahren zu erkennen und unsere Werte zu vertreten.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, wie wir jede Bewertung abschaffen können, sondern: Wie bewerten wir, ohne unnötig abzuwerten?

Ein hilfreicher Anfang kann darin liegen, Beobachtung und Interpretation auseinanderzuhalten.

„Du hast dich seit Tagen nicht gemeldet“ beschreibt ein Verhalten.

„Du bist egoistisch und interessierst dich für niemanden“ ist eine Interpretation, die den Menschen als Ganzes abwertet.

Vielleicht hilft es auch, unsere Urteile mit etwas mehr Bescheidenheit zu betrachten.

Vielleicht kenne ich nicht die ganze Geschichte. Vielleicht verstehe ich die Beweggründe eines Menschen nicht. Vielleicht ist mein Maßstab nicht der einzige mögliche. Vielleicht muss ich nicht über alles eine Meinung haben.

Und vielleicht darf ich etwas einfach stehen lassen.

Die Kunst, sich selbst in Ruhe zu lassen

Es gibt eine besondere Form der Selbstfürsorge, über die meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird: sich selbst gelegentlich in Ruhe zu lassen.

Nicht ständig an sich arbeiten zu müssen. Nicht aus jeder Unsicherheit eine Baustelle zu machen. Nicht jedes unangenehme Gefühl analysieren, optimieren oder überwinden zu wollen.

Wir leben in einer Zeit, in der persönliche Entwicklung nahezu zu einer Daueraufgabe geworden ist. Wir sollen achtsamer werden, resilienter, gelassener, selbstbewusster, produktiver und emotional kompetenter.

An all diesen Zielen ist für sich genommen nichts falsch.

Problematisch wird es, wenn selbst die Beschäftigung mit unserer psychischen Gesundheit zu einer weiteren Form der Selbstoptimierung wird. Wenn wir glauben, niemals genug an uns gearbeitet zu haben. Wenn sogar die Forderung, uns selbst zu lieben, in einen neuen Leistungsdruck mündet.

Dabei müssen wir uns nicht an jedem Tag lieben.

Manchmal reicht es, uns nicht zusätzlich abzuwerten. Manchmal reicht ein freundlicherer Umgang mit dem, was gerade in uns vorgeht.

Und manchmal ist es ein großer Schritt, sich sagen zu können:

Ich bin heute nicht besonders ausgeglichen. Ich bin unsicher. Ich weiß gerade nicht weiter.

Und trotzdem darf ich sein.

Sein dürfen in Beziehungen: Angenommen werden, wie wir sind

Besonders deutlich wird das Thema in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Wie fühlt es sich an, mit einem Menschen zusammen zu sein, bei dem wir nicht ständig aufpassen müssen, was wir sagen und wie wir es sagen? Bei dem wir auch einmal still sein dürfen, ohne als langweilig zu gelten? Bei dem wir traurig sein dürfen, ohne sofort aufgemuntert zu werden? Bei dem wir eine andere Meinung vertreten können, ohne Abwertung befürchten zu müssen?

Solche Beziehungen können einen Raum psychologischer Sicherheit schaffen. Einen Raum, in dem wir nicht ständig eine bestimmte Rolle erfüllen müssen.

Vielleicht ist das eine der schönsten Formen menschlicher Nähe:

Wenn wir bei einem anderen Menschen nicht erst jemand werden müssen, sondern einfach jemand sein dürfen.

Das heißt nicht, dass es keine Konflikte gibt. Auch in wertschätzenden Beziehungen werden Menschen einander enttäuschen, missverstehen und kritisieren.

Aber die grundsätzliche Würde des Gegenübers steht dabei nicht zur Verhandlung.

Sein dürfen beginnt mit einer inneren Haltung

„Sein dürfen“ lässt sich nicht einfach beschließen. Gerade wenn wir lange auf Anpassung, Anerkennung oder die Vermeidung von Kritik ausgerichtet waren, braucht es Zeit.

Womöglich beginnt es mit einigen Fragen, die wir uns im Alltag stellen können:

  • Darf ich gerade so empfinden, wie ich empfinde, auch wenn es mir oder anderen nicht gefällt?
  • Wessen Stimme höre ich, wenn ich mich selbst kritisiere?
  • Ist das, was jemand über mich sagt, eine hilfreiche Rückmeldung oder eine Abwertung?
  • Muss ich mich wirklich rechtfertigen oder halte ich es nur schwer aus, nicht verstanden zu werden?
  • Kann ich einen anderen Menschen anders sein lassen, ohne mich dadurch selbst infrage gestellt zu fühlen?

Es geht nicht darum, diese Fragen immer richtig zu beantworten. Es geht darum, ein anderes Verhältnis zu uns selbst und zu anderen Menschen zu entwickeln.

Weniger Urteil. Mehr Neugier. Weniger Selbstbekämpfung. Mehr Selbstverständnis.

Und mehr Bereitschaft, das Menschliche in seiner Unvollkommenheit anzuerkennen.

Ich darf sein – auch wenn andere mich bewerten

Wir können nicht verhindern, dass andere Menschen uns bewerten. Wir können nicht kontrollieren, welche Vorstellungen sie von uns haben, welche Eigenschaften sie mögen oder ablehnen.

Aber wir können lernen, fremde Bewertungen nicht automatisch zu unserer eigenen Wahrheit werden zu lassen.

Wir können uns erlauben, unvollkommen zu sein. Wir können anerkennen, dass wir uns verändern dürfen, ohne uns zuvor grundsätzlich falsch finden zu müssen.

Und wir können anderen Menschen mit derselben Offenheit begegnen, die wir uns für uns selbst wünschen.

Denn es wird immer Menschen geben, denen wir zu viel sind. Und andere, denen wir zu wenig sind.

Menschen, die uns falsch verstehen, kritisieren oder ihre eigenen Vorstellungen auf uns übertragen.

Aber zwischen all diesen Stimmen gibt es noch eine weitere.

Unsere eigene.

Und eventuell darf sie irgendwann sagen:

Ich muss nicht allen gefallen.

Ich muss nicht von allen verstanden werden.

Ich darf Fehler machen und Verantwortung dafür übernehmen.

Ich darf wachsen, ohne mich vorher abzuwerten.

Ich darf anders sein, ohne weniger wert zu sein.

Ich darf sein.

Nicht irgendwann, wenn ich endlich genug bin. Sondern jetzt. So, wie ich bin.

Mit der Freiheit, mich weiterzuentwickeln. Und mit dem Recht, mich dabei nicht ständig selbst infrage stellen zu müssen.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Möglicherweise müssen wir gar nicht lernen, ein besserer Mensch zu sein, bevor wir uns annehmen dürfen. Vielleicht dürfen wir erst einmal aufhören, uns wie einen falschen Menschen zu behandeln.

Und vielleicht beginnt genau dort etwas sehr Wertvolles: die Freiheit, mit uns selbst sein zu dürfen, ohne uns ständig bewerten, rechtfertigen oder verändern zu müssen.

Eine Frage an dich

Bei welchen Menschen hast du das Gefühl, einfach sein zu dürfen – und bei welchen beginnst du, dich selbst zu kontrollieren, anzupassen oder infrage zu stellen?

Vielleicht erzählt dir die Antwort etwas Wichtiges darüber, wo du dich wirklich angenommen fühlst. Und darüber, wie du selbst mit dir umgehst.